Gut zu wissen: politische Narrationen


Gut zu wissen: politische Narrationen


Veröffentlicht am: 19.10.2020 | Neuigkeiten | Keine Kommentare »


Was sind eigentlich politische Narrationen?

Menschen lieben Geschichten – Wir hören sie an, erzählen sie selbst und erfahren dabei viel über uns, andere und die Welt, in der wir leben. Auch in der politischen Diskussion wird gerne mit Geschichten, also mit Narrationen gearbeitet. In jedem Versuch, politische Probleme zu konkretisieren und eine verbindliche Einigung zu erzielen, lassen sich erzählerische Techniken finden. Durch das Erzählen von Geschichten kann dem Chaotischen und Undurchschaubaren einer politischen Thematik eine Form gegeben werden. Fiktive Elemente helfen dabei, dass erzählende Akteure selbst scheinbar eindeutige Tatsachenbehauptungen hinterfragen und Kritik sowie Zweifel gegenüber etablierten Gewissheiten verbreiten können. Bei politischen Narrativen handelt es sich jedoch nicht um Verschwörungstheorien, wobei die Grenzen zum „Mythos“ oftmals fließend sind.

Zu den erzählerischen Vorgängen gehört immer auch die Verständigung über Werte. Die Erzählung stellt somit einen sozialen Begegnungsort dar. Dabei gestaltet der politische Konflikt die Erzählung und die Erzählung wiederum den Konflikt.

Erzählungen vermitteln in gesellschaftlichen Prozessen Sinn und erzeugen Legitimität. Dies beruht auf der Annahme, dass das Politische nicht an einen Ort – wie an Regierungen, Parlamente, Parteien, Verbände oder sozialen Bewegungen – gebunden ist, sondern aus der gesellschaftlichen Konfrontation konkurrierender Legitimitätsansprüche heraus entsteht. Das wird besonders in öffentlichen Krisenmomenten sichtbar, wenn um eine klare Definition der verhandelten Probleme gerungen wird und keine Einigung hinsichtlich der Maßnahmen zu ihrer Bewältigung in Sicht ist. Das Erzählen lässt sich besonders in umkämpften Politikfeldern beobachten. Dominante politische Erzählungen des 20. und 21. Jahrhunderts bezogen sich zum Beispiel auf den Kalten Krieg, die Grenzen des Wachstums, die unsichtbare Hand des Marktes, die Finanzkrise oder den Krieg gegen den Terror. Auch anhand des Deutungskonflikts zur NSA-Überwachungsaffäre, in dem es darum ging, ob der Enthüller ein Held oder ein Verräter ist, wird die Bedeutung erzählerischer Mittel deutlich.  Es handelt sich hierbei um literarische Konstruktionen mit außerordentlicher politischer Relevanz. Das Erzählen wird so zu einer politischen Praktik und Narrative werden zu politischen Narrativen.

Wir dürfen gespannt sein, was die Politikwissenschaft über politische Narrative in der Corona-Debatte herausfinden wird. Welche Erzählungen entdecken Sie derzeit rund um gesundheitspolitische Debatten zur Corona-Pandemie? Was machen diese Erzählungen mit Ihnen? Auf welcher Seite stehen Sie?

Teilen Sie gerne Ihre Beobachtungen mit uns, zum Beispiel in einer E-Mail an nrw@patientenbeteiligung.de.

 


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