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Zeit und Muße sind gesund, für Arzt, Pfleger und Patient!


Veröffentlicht am: 10.09.2019 | Meldungen | Keine Kommentare »


Meinung/Gedankenimpuls

Zeit ist kostbar, sehr kostbar, vor allem in Krankenhäusern, wenn es um Leben und Tod geht. Und um Geld.

Gerade im Pflegebereich, wo es um akute Krankheiten geht, arbeiten viele Beschäftigte oft bis zur eigenen Gesundheitsgefährdung. Und damit sind wiederum die Patient*innen gefährdet. Das belastet dann das Gewissen vieler Arbeitnehmer*innen und schadet weiter ihrer Gesundheit. Ein Täufelskreislauf…! Es ist daher naheliegend Zeit für Muße als Gegenkonzept zum heute so beliebten und verbreiteten Effizienzdenken zu sehen. Oder? Gehofft hatten die Menschen, dass sie schneller mit ihren Aufgaben fertig werden, wenn sie diese effizienter angehen. Doch diese Hoffnung erfüllt sich oft nicht.

Feierabend, Nachtruhe, Wochenende, das sind Zeiten, in denen jeder gerne abschalten möchte. In manchen Berufen gehört allerdings die Erreichbarkeit zu ungünstigen Zeiten wie in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen zur Arbeit zwingend dazu.

Hier ein Beispiel eines beliebigen Pflegers, der in einem Krankenhaus im Funktionsbereich der Kardiologie arbeitet. Dieser Bereich ist zwar nicht rund um die Uhr besetzt, aber bei Notfällen wie einem Herzinfarkt muss so schnell wie möglich die Arbeit aufgenommen werden. Das bedeutet regelmäßige Rufbereitschaft, die die betroffenen Beschäftigten auf Dauer stark belastet. Manche sind froh, wenn sie tatsächlich zum Einsatz gerufen werden, weil sie am Wochenende mit Rufdienst im Dauerstress sind, wenn das Rufdiensthandy kein einziges Mal klingelt. Viele leiden aber auch unter Personalmangel. So kann es passieren, dass ein Pfleger nach einem nächtlichen Rufdiensteinsatz am folgenden Arbeitstag nicht frei machen kann, wie es in der Abteilung eigentlich üblich ist, sondern morgens den Dienst antritt. Wenn gerade eine Kollegin im Urlaub und ein anderer Kollege krank ist, gehen viele am Tag danach zur Arbeit.

Es ist an der Zeit umzudenken. Zeit und Muße sind gesund, für Ärzt*innen, Pfleger*innen und Patient*innen. Muße ist nicht einfach nur ein „Nichtstun“, wie oft gedacht wird, sondern ein kreativer Zustand. Dieser Zustand entspannt Körper und Psyche und macht langfristig leistungsfähiger, die Konzentration steigt und es passieren weniger Fehler. Viele Menschen haben Muße jedoch bereits verlernt, sie können gar nicht innehalten, weil sie das Effizienzdenken der Gesellschaft komplett verinnerlicht haben. Durch Erziehung, Erfahrungen, Vorschriften oder sogar Zwang.

Zeit und Muße sind aber menschlich. Zeit und Muße sind für die Gesundheit, für die Würde des Menschen zwingend erforderlich. Auch so „gesellschaftswissenschaftlich“, nicht nur „ökonomisch“ sollte Qualität in Krankenhäusern gedacht werden. Oder etwa nicht?


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